Ur­tei­le deut­scher Ge­rich­te zum The­ma Tier­hal­tung in Haus und Gar­ten

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Hund & Katz und mehr Urteile deutscher Verwaltungs- und Zivilgerichte zum Thema Tierhaltung in Haus und Garten
Hund & Katz und mehr Urteile deutscher Verwaltungs- und Zivilgerichte zum Thema Tierhaltung in Haus und Garten
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Hund & Katz und mehr – Ur­tei­le deut­scher Ver­wal­tungs- und Zi­vil­ge­rich­te zum The­ma Tier­hal­tung

Ber­lin (ots) – Vie­le Deut­sche wür­den nur un­gern auf die Hal­tung von Tie­ren in den ei­ge­nen vier Wän­den ver­zich­ten. Die­se Haus­ge­nos­sen wer­den als Be­rei­che­rung des täg­li­chen Le­bens be­trach­tet.

Da­bei sind die In­ter­es­sen der Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer höchst un­ter­schied­lich : Die ei­nen schät­zen die alt­be­währ­ten “Klas­si­ker” wie Hun­de und Kat­zen, die an­de­ren fin­den Ver­gnü­gen dar­an, sich mit aus­ge­fal­le­ne­ren Haus­ge­nos­sen wie Rep­ti­li­en zu um­ge­ben.

Grund­sätz­lich kön­nen zwei Pro­ble­me da­bei auf­tau­chen. Das ei­ne ist die Fra­ge, ob die Tier­hal­tung in be­stimm­ten Wohn­si­tua­tio­nen über­haupt er­laubt ist, weil sich Ver­mie­ter und Nach­barn ge­stört füh­len könn­ten. Die an­de­re Fra­ge stellt sich im Zu­sam­men­hang mit der art­ge­rech­ten Hal­tung. Ge­le­gent­lich wird das von den Be­hör­den über­prüft und führt zu Auf­la­gen oder Ver­bo­ten. Die Ex­tra-Aus­ga­be des In­fo­diens­tes Recht und Steu­ern der LBS stellt neun Ur­tei­le deut­scher Ge­rich­te zu die­sem The­ma vor.

Das ge­ne­rel­le Ver­bot der Kat­zen- und Hun­de­hal­tung im Miet­ver­trag ist nicht rechts­wirk­sam. Der Ei­gen­tü­mer ei­ner 3-Zim­mer-Woh­nung mit Bal­kon hat­te sei­ne Mie­ter auf­ge­for­dert, ei­ne von ih­nen ge­hal­te­ne Kat­ze zu ent­fer­nen, denn das sei ja ver­trag­lich so ver­ein­bart. Doch das Amts­ge­richt Köln (Ak­ten­zei­chen 210 C 10312) be­zeich­ne­te das pau­scha­le Ver­bot als rechts­wid­rig. Die grund­sätz­li­che Be­deu­tung von Haus­tie­ren in un­se­rer Ge­sell­schaft er­for­de­re es, ei­ne In­ter­es­sen­ab­wä­gung durch­zu­füh­ren. Die­se ha­be hier nicht statt­ge­fun­den. Das Er­geb­nis hät­te ge­lau­tet, dass solch ein ver­hält­nis­mä­ßig klei­nes Tier auf 77 Qua­drat­me­tern durch­aus le­ben kön­ne.

Ge­ra­de Kat­zen wer­den häu­fig nicht nur in­ner­halb ei­nes Hau­ses bzw. ei­ner Woh­nung ge­hal­ten, son­dern er­hal­ten “Frei­gang”. Ein Au­to­be­sit­zer war der Über­zeu­gung, dass die Nach­barskat­ze bei solch ei­nem Aus­flug die Ka­ros­se­rie sei­nes Au­tos ge­schä­digt ha­be und zog des­we­gen vor Ge­richt. Er be­haup­te­te, über Haa­re des be­sag­ten Tiers zu ver­fü­gen und ei­nen DNA-Nach­weis füh­ren zu kön­nen. Das reich­te dem Amts­ge­richt Aa­chen (Ak­ten­zei­chen 5 C 51106) nicht aus, denn die Kat­ze kön­ne ja ir­gend­wann tat­säch­lich oh­ne Fol­gen über das Au­to­dach ge­lau­fen sein. Man müs­se das Tier schon ganz kon­kret beim Ver­ur­sa­chen ei­nes Scha­dens er­wischt ha­ben.

Ei­ne Was­ser­schild­krö­te ist zwar kein be­son­ders gro­ßes Tier, be­nö­tigt aber trotz­dem aus­rei­chend Platz, wenn sie in­ner­halb ei­ner Woh­nung ge­hal­ten wer­den soll. Ein Mann konn­te der Schild­krö­te nur ei­ne Woll­de­cke als Un­ter­schlupf bie­ten und ließ sie an­sons­ten an ei­nem öf­fent­li­chen Teich in der Nä­he schwim­men, wo­bei er sie an ei­ner Bo­je be­fes­tig­te. Das al­les schien dem zur Nach­prü­fung ent­sand­ten Amts­ve­te­ri­när un­trag­bar. Und das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen (Ak­ten­zei­chen 16 L 131911) ver­trat nach ei­ner Kla­ge des Schild­krö­ten­hal­ters die Auf­fas­sung des Am­tes.

Manch­mal über­trei­ben es Tier­freun­de dra­ma­tisch, wenn man sie denn über­haupt noch so nen­nen kann. Die Mie­te­rin ei­ner gut 50 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nung quar­tier­te dort 80 Ka­na­ri­en­vö­gel und Ze­bra­fin­ken, ei­ne Kat­ze und ein frei­lau­fen­des Ka­nin­chen ein. Die Vö­gel hat­ten ein gan­zes Zim­mer als Vo­lie­re für sich. Das Amts­ge­richt Men­den (Ak­ten­zei­chen 4 C 28613) hielt ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung durch den Ver­mie­ter für an­ge­mes­sen, denn es lie­ge ei­ne kla­re Ge­fähr­dung der Miet­sa­che vor.

Es kann grund­sätz­lich durch­aus er­laubt sein, dass ein Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer vie­le Tie­re hält. Dann muss er die­sen al­ler­dings auch ein an­ge­mes­se­nes Um­feld bie­ten. Ein Mann hat­te sich für sei­nen ent­le­ge­nen Aus­sied­ler­hof elf deut­sche Dog­gen an­ge­schafft. Die Be­hör­den ver­bo­ten ihm das nicht von vor­ne­her­ein. Sie wie­sen ihn aber an, die Räu­me, die nicht aus­schließ­lich Wohn-zwe­cken dien­ten, son­dern in de­nen sich die Hun­de auf­hiel­ten, aus hy­gie­ni­schen Grün­den ent­we­der zu flie­sen oder mit ei­nem ab­wasch­ba­ren An­strich zu ver­se­hen. Der Be­trof­fe­ne kam dem nicht nach, letz­ten En­des be­stä­tig­te des­we­gen das Ver­wal­tungs­ge­richt Ko­blenz (Ak­ten­zei­chen 2 K 3016.KO) ein von den Be­hör­den ver­häng­tes Ver­bot jeg­li­cher Tier­hal­tung.

Ge­le­gent­lich kommt es vor, dass ein Grund­stück­be­sit­zer ein ver­letz­tes Wild­tier bei sich auf­nimmt und es ge­sund pflegt. Im kon­kre­ten Fall han­del­te es sich um ei­nen Ha­bicht, der an ei­nem Hals­in­fekt litt und oh­ne Hil­fe kaum über­le­bens­fä­hig ge­we­sen wä­re. Doch dem Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz zu Fol­ge muss­te der Greif­vo­gel nach sei­ner Ge­ne­sung un­ver­züg­lich frei­ge­las­sen wer­den, ent­schied das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier (Ak­ten­zei­chen 5 K 2711.TR). Ein­zi­ges Kri­te­ri­um sei, dass er sich selbst­stän­dig er­hal­ten kön­ne.

Auch ein stän­dig im Frei­en ge­hal­te­ner Hund hat ei­nen An­spruch auf ei­nen tro­cke­nen, ge­schütz­ten Rück­zugs­ort. Er darf aus Tier­schutz­grün­den nicht dau­er­haft bei je­der Wit­te­rung an ei­ner Lei­ne an­ge­bun­den sein, denn das kön­ne sei­ner Ge­sund­heit er­heb­lich scha­den. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Aa­chen (Ak­ten­zei­chen 6 L 2313) be­stä­tig­te ei­ne be­hörd­li­che An­ord­nung, der zu­fol­ge ei­ne Hun­de­hüt­te bzw. ein wit­te­rungs­ge­schütz­ter Lie­ge­platz er­rich­tet wer­den müss­te.

Bei gif­ti­gen Tie­ren er­he­ben Be­hör­den und Ge­rich­te ganz be­son­de­re An­for­de­run­gen an den Hal­ter. Ein Nach­bar stör­te sich dar­an, dass ein an­de­rer Haus­be­woh­ner 25 bis 30 Gift­schlan­gen und sechs Pfeil­gift­frö­sche in sei­ner Woh­nung un­ter­ge­bracht hat­te. Der Nach­bar fühl­te sich durch den Ge­ruch ge­stört und be­fürch­te­te auch die Mög­lich­keit des Ent­wi­schens der Tie­re. Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he (Ak­ten­zei­chen 14 Wx 5103) ent­sprach der Kla­ge, denn die Hal­tung von solch ge­fähr­li­chen Schlan­gen und Frö­schen über­schrei­te den zu­läs­si­gen Ge­brauch des Son­der­ei­gen­tums durch ei­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer.

Ein Schwei­ne­mast­be­trieb in der Nach­bar­schaft hat nicht zwangs­läu­fig ei­ne un­zu­mut­ba­re Ge­ruchs­be­läs­ti­gung zur Fol­ge. Wenn ein neu­er Stall über ei­nen Ab­luft­wä­scher ver­fügt, der zu ei­ner min­des­tens 70-pro­zen­ti­gen Ge­ruchs­min­de­rung führt, dann müs­sen An­woh­ner in 550 bzw. 270 Me­tern Ent­fer­nung da­mit le­ben. So ent­schied es das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg (Ak­ten­zei­chen 7 K 248710). Un­ter Wür­di­gung al­ler Um­stän­de sei die Schwei­ne­mast im kon­kre­ten Fall noch zu­mut­bar.