Die Ängste der Deutschen in der Corona-Krise

Die Ängste der deutschen zur Coronakrise
Die Ängste der deutschen zur Coronakrise
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Wiesbaden, 7. April 2020.

Leere Straßen, ver­waiste Büros und Geschäfte, ein Leben auf Dis­tanz: Wie haben sich die Äng­ste der Deutschen in Zeit­en von Coro­na verän­dert? Anfang April hat das Info­cen­ter der R+V Ver­sicherung in ein­er repräsen­ta­tiv­en Umfrage 1.075 Bürg­er befragt.

Seit fast 30 Jahren unter­sucht das R+V‑Infocenter in der Langzeit­studie „Die Äng­ste der Deutschen“ im Som­mer die Sor­gen der Bun­des­bürg­er rund um Poli­tik, Wirtschaft, Umwelt und Gesund­heit. Für die aktuelle Son­der­be­fra­gung hat die R+V vier Fra­gen aus­gewählt, die in der Coro­na-Krise große Bedeu­tung haben. Steigt durch die hohen Infek­tion­srat­en die Angst vor ein­er schw­eren Erkrankung? Befürcht­en jet­zt mehr Men­schen eine Rezes­sion? Wie groß ist die Angst vor dem Ver­lust des eige­nen Jobs? Wie beurteilen die Deutschen die Arbeit der Poli­tik­er? „Uns hat in dieser Aus­nahme­si­t­u­a­tion beson­ders der Ver­gle­ich zum ver­gan­genen Som­mer inter­essiert – zu ein­er Zeit, in der sich kaum jemand eine solche Pan­demie hätte vorstellen kön­nen“, sagt Brigitte Röm­st­edt, Lei­t­erin des R+V‑Infocenters.

Angst vor einer Talfahrt der Wirtschaft steigt massiv

Sprung­haft gestiegen ist die Angst vor ein­er Ver­schlechterung der Wirtschaft­slage in Deutsch­land. Sie klet­tert um 23 Prozent­punk­te auf 58 Prozent – und damit auf den höch­sten Wert seit zehn Jahren. 2010 hat­te die Finanz­mark­tkrise die Angst vor ein­er Rezes­sion in die Höhe getrieben. Dazu Pro­fes­sor Dr. Man­fred G. Schmidt, Poli­tik­wis­senschaftler an der Ruprecht-Karls-Uni­ver­sität in Hei­del­berg und seit vie­len Jahren Berater des R+V‑Infocenters: „Die Sor­gen sind begrün­det. Der Wirtschaftsab­schwung, der in Deutsch­land 2020 zu erwarten ist, über­trifft höchst­wahrschein­lich die Wirtschaft­skrise von 2009. Damals schrumpfte die Wirtschaft­sleis­tung in Deutsch­land um 5,6 Prozent. Dies­mal kön­nte der Absturz tiefer gehen – wenn die Coro­na-Pan­demie länger dauert.“

Bemerkenswert: Frauen (61 Prozent) beurteilen die Aus­sicht­en für die deutsche Wirtschaft skep­tis­ch­er als Män­ner (54 Prozent). Jün­gere Befragte bis 30 Jahre (51 Prozent) sind in dieser Frage hinge­gen etwas opti­mistis­ch­er als die ältere Gen­er­a­tion (59 Prozent).

Verhaltene Reaktion auf Arbeitslosigkeit

Die Angst, arbeit­s­los zu wer­den, bleibt im April 2020 auf dem rel­a­tiv niedri­gen Niveau des Vor­jahres. Etwa jed­er vierte Bun­des­bürg­er (24 Prozent) bangt um den eige­nen Job. Allerd­ings gilt hier: je jünger, desto besorgter. Bei den unter 30-Jähri­gen ist diese Angst mit 36 Prozent am höch­sten. Auch Frauen (28 Prozent) fürcht­en sich mehr vor dem Ver­lust ihres Arbeit­splatzes als Män­ner (21 Prozent).

„Der Wirtschaftsab­schwung trifft einen größeren Teil des Arbeits­mark­tes mit voller Wucht. Deutsch­land hat aber zwei starke ‚Medika­mente‘ zur Lin­derung der Schä­den verabre­icht“, sagt Pro­fes­sor Schmidt. „Das Kurzarbeit­ergeld schützt mehrere Mil­lio­nen Arbeit­nehmer vor Ent­las­sun­gen. Lin­derung ver­schafft zudem auch das Hil­f­s­paket der Bun­desregierung in Höhe von mehreren hun­dert Mil­liar­den Euro für die Wirtschaft – ob für große, mit­tlere oder kleine Betriebe.“ Ergänzend dämpft ein drit­ter Mech­a­nis­mus die Sor­gen, erk­lärt der Poli­tik­wis­senschaftler: „Ein Teil der Beschäftigten ist gegen den Wirtschaft­sein­bruch geschützt. Das sind ins­beson­dere die Mitar­beit­er in den soge­nan­nten sys­tem­rel­e­van­ten Berufen, wie im Gesund­heitswe­sen und im staatlichen Sek­tor bei Bund, Län­dern, Gemein­den und Sozialver­sicherun­gen.“

Ihren bish­eri­gen Höch­st­stand hat­ten bei­de Äng­ste in den Jahren 2004/2005, als während der schwachen Kon­junk­turlage in Deutsch­land viele Unternehmen mas­siv Stellen abbaut­en und die Arbeit­slosen­quote auf 11,7 Prozent klet­terte.

Angst vor Krankheit bei Alt und Jung

Die Angst, schw­er zu erkranken, ist in der Coro­na-Krise leicht gestiegen – um sechs Prozent­punk­te auf 41 Prozent. „Bemerkenswert ist allerd­ings, dass die Sorge in allen Alters­grup­pen in etwa gle­ich hoch ist“, sagt Röm­st­edt. „Im Ver­lauf unser­er Studie waren die jün­geren Befragten bis zum Alter von 30 Jahren bei dieser Frage bish­er deut­lich sor­glos­er als die Gen­er­a­tion ihrer Eltern und Großel­tern. Offen­sichtlich haben viele jün­gere Men­schen erkan­nt, dass Covid-19 nicht nur Ältere tre­f­fen kann.“ Tra­di­tionell sor­gen sich Frauen mehr vor Krankheit­en als Män­ner. So auch bei dieser Son­derum­frage: 46 Prozent der Frauen haben Angst vor ein­er schw­eren Krankheit – aber nur 36 Prozent der Män­ner.

Vertrauen in die Arbeit der Politiker

46 Prozent (2019: 47 Prozent) der Deutschen befürcht­en, dass die Poli­tik­er von ihren Auf­gaben über­fordert sind. „Das ist wie im ver­gan­genen Jahr eine der besten Bew­er­tun­gen für die Arbeit der Poli­tik­er in den ver­gan­genen 20 Jahren“, erläutert Röm­st­edt. „Während der Finanz­mark­tkrise und zulet­zt in der Flüchtlingskrise bezweifel­ten mehr als 60 Prozent der Bürg­er, dass die Poli­tik­er die Lage in den Griff bekom­men. Unter 40 Prozent lagen diese Werte im Ver­lauf der Umfrage bish­er noch nie.“ Dass Deutsch­lands Poli­tik­er in Umfra­gen meist schlechte Noten bekom­men, bestätigt auch Pro­fes­sor Schmidt: „Allerd­ings urteilen die Befragten jet­zt etwas milder als in den Vor­jahren, und viel milder als in der Finanz­mark­tkrise 2009. Das spiegelt ver­mut­lich die Anerken­nung des Krisen­man­age­ments der Regierung in der Coro­na-Krise wider.“

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