Metal Gear Solide 5 – The Phantom Pain im Test

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Metal Gear Solide 5 - The Phantom Pain im Test: Schleichen in Perfektion!
Metal Gear Solide 5 - The Phantom Pain im Test: Schleichen in Perfektion!
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

Schleichen in Perfektion!

Am 01. September 2015 startet das lang erwartete „Metal Gear Solid 5 – The Phantom Pain“ durch. Jetzt veröffentlicht Konami einen frischen Trailer.

Willkommen im Jahr 1984

Aufhänger der Story sind die dramatischen Ereignisse am Ende von „Metal Gear Solid 5 – Ground Zeroes“: Spezialeinheiten einer paramilitärischen Gruppe namens XOF zerstören Mother Base, die im offenen Meer stationierte Heimatbasis von Protagonist Snake und dessen Söldnervereinigung MSF.

Snake selbst überlebt den Angriff, fällt jedoch in ein Koma, aus dem er erst neun Jahre später erwacht – genauer gesagt im Jahr 1984. Dass sein linker Arm mittlerweile durch eine mechanische Prothese ersetzt wurde und Killerkommandos nach seinem Leben trachten, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Kalter Krieg – und der Spieler ist mittendrin

Im Laufe der Handlung verschlägt es Snake in zwei geografisch sehr unterschiedliche Szenarien: in eine Bergregion in Afghanistan und in ein Grenzgebiet zwischen Angola und Zaire. Ähnlich wie das sehr viel kleinere Einsatzgebiet von „Ground Zeroes“ sind beide Schauplätze als offene Welten angelegt. Der Spieler entscheidet frei, wie er von A nach B gelangt und einzelne Missionsvorgaben in Angriff nimmt.

Mit vorschreitender Spieldauer passt der Feind seine Taktiken an und rüstet auf. Die Liquid Strike Force zum Beispiel schwört auf kugelsichere Schutzschilde.

Geht es etwa darum, eine Zielperson bei einem Geheimtreffen auf einem schwer bewachten Flughafen zu eliminieren, könnten Sie sich zum Tower der Anlage vorarbeiten und von dort das Areal mit Ihrem Hightech-Feldstecher ausspähen. Anschließend warten Sie ab, bis das Opfer ein Gebäude verlässt und schlagen im richtigen Moment mit dem Scharfschützengewehr zu. Variante 2: Snake schnappt sich einen Truck, belädt die Ladepritsche mit C4-Sprengstoff, rammt das Tor der Anlage, manövriert die tickende Zeitbombe in Richtung der Zielperson, springt aus dem Vehikel und aktiviert den Zünder – boom! Auch denkbar: Sie jagen die Kommunikationseinrichtungen und die Radarstellung der Basis in die Luft. Ergebnis: Das Treffen fällt aus und die Zielperson will mit einem Jeep türmen. Sie ordnen einen Luftschlag auf den prognostizierten Fluchtkorridor des Vehikels an – und warten grinsend ab.

In der Ruhe liegt die Kraft

Wie von der Agenten-Reihe gewohnt, ist auch stets der klassische Schleichansatz möglich. Im genannten Beispiel sollte man dann allerdings von der Option Gebrauch machen, sich nicht tagsüber, sondern nachts im Missionsgebiet absetzen zu lassen. Vorteil: Das Sichtfeld der Wachen ist dann eingeschränkt und Verstärkung braucht länger, um anzurücken. Und wenn Sie zusätzlich noch abwarten, bis ein kräftiger Regenschauer aufzieht, sind Sie doppelt im Vorteil, denn nun verwischen Snakes Fußspuren schneller. Serientypisch empfiehlt es sich ferner, die Körper lebloser Feinde zu beseitigen. Entweder, indem man sie huckepack in dunkle Ecken hievt oder – der Serien-Ableger „Metal Gear Solid – Peace Walker“ lässt grüßen – sie mittels Ballon aus dem Missionsgebiet abtransportiert. Das Faszinierende an „The Phantom Pain“: Letztendlich ist es allein Ihrer Kreativität überlassen, wie Sie Attentate, Entführungen, Rettungsaktionen und andere Herausforderungen meistern. Die Entwickler geben Ihnen alle nötigen Hilfsmittel an die Hand. Anders als in „Ground Zeroes“ sind damit jedoch nicht nur zahlreiche Waffen und Gadgets gemeint, sondern auch viele Gefährten

Vier Freunde für ein Halleluja

Den Anfang macht D-Horse, ein geländetaugliches Pferd mit hoher Ausdauer. Auf seinem Rücken galoppiert der Held in Windeseile durch die kargen Felslandschaften Afghanistans respektive die weitläufige Savanne Afrikas. Praktisch: Sind Gegner in der Nähe, kann Snake seitlich an D-Horse hängend an ihnen vorbeitraben und so ungesehen bleiben. Zweiter im Bunde ist D-Dog, ein Wolfshund mit einer äußerst feinen Spürnase. Sobald Snake über ein jederzeit aufrufbares Menü den Befehlt erteilt, erkundet der intelligente Vierbeiner die nähere Umgebung und markiert Wachposten. D-Dog lockt Widersacher durch Bellen an andere Positionen, beißt im Nahkampf kraftvoll zu und weist auf Sammelobjekte hin. Taktiker lieben D-Dog! Weiter geht es mit D-Walker. Die Qualitäten der zweibeinigen Läufer-Einheit (auf der Snake hockend Platz nimmt) lernen Sie erstmals gegen Ende des ersten Spieldrittels kennen. Hauptmerkmale des Mini-Mechs? Hohe Geschwindigkeiten auf ebenem Terrain, frei konfigurierbare Waffensysteme und ein praktischer Hebearm zum Transportieren und Kämpfen.

Die zielsichere Quiet rundet das Begleiterquartett ab – aus dem Snake immer nur einen Sidekick wählen darf. Die leicht bekleidete Scharfschützin kann aufgrund übernatürlicher Kräfte blitzschnell die Position wechseln und dem Protagonisten mit Deckungsfeuer, Aufklärungsarbeit und gezielten Kopfschüssen unter die Arme greifen. Besonders lässig: Wie alle anderen Begleiter levelt Quiet auf und lernt neue Tricks dazu, etwa die Fähigkeit, in die Luft geworfene Granaten mittels Streifschuss in Feindansammlungen zu katapultieren. Doch Obacht: Wer seine brillant animierten Kameraden ständig in Gefahr bringt, muss sich nicht wundern, wenn sie irgendwann nicht mehr mitziehen und Ihre Befehle verweigern.

KI-Sensation und Umfangsbestie

Dass das neue „Metal Gear Solid“ von der ersten Minute an so unglaublich fesselt, hat jedoch nicht nur mit der packenden Handlung, dem tollen Missionsdesign und den schier endlosen Freiheiten zu tun. Eine Ehrenmedaille stauben Kojima und sein Team vor allem für die künstliche Intelligenz ab. Denn mehr als in jedem „Metal Gear“-Spiel zuvor reagiert diese äußerst glaubhaft auf Bedrohungen. Findet eine Patrouille etwa einen bewusstlosen Soldaten, leitet sie umgehend eine Suchaktion nach dem Attentäter ein und versucht, den Landsmann aufzuwecken. Löst man Großalarm aus, steht Snake schon bald unter Mörserbeschuss, wird mit Scheinwerfern geblendet, von Scharfschützen ins Visier genommen und später sogar von Panzern und Helikoptern attackiert. Es ist ein nervenaufreibendes Katz- und Mausspiel, bei dem der Spieler mit der nötigen Übersicht und Ruhe dennoch stets die Überhand behält.

Pro

  • Gigantischer Umfang
  • Clevere Feind- und Freund-KI
  • Große spielerische Freiheit
  • Cineastische Präsentation

Kontra

  • Keine deutsche Sprachausgabe
  • Speicherpunkte nicht immer optimal
  • Ein paar unglaubwürdige Szenen

Als Hideo Kojima einst behauptete, „The Phantom Pain“ sei 200 Mal größer als „Ground Zeroes“, wollten viele ihm das nicht so recht glauben. Doch er hat nicht übertrieben! Allein der primäre Story-Strang umfasst mehr als 30 Missionen und lässt sich kaum in unter 25 bis 30 Stunden bewältigen. Dazu gesellt sich eine Fülle an Nebenmission, die ähnlich viel Zeit beanspruchen. Das Verrückte: Kaum flimmert der Abspann des eben angerissenen Plots über den Bildschirm, geht es schon mit „Kapitel 2“ und neuen Haupt- und Nebenmissionen weiter. Das sind locker über 80 Stunden Spielspaß – das ab Oktober für alle Käufer frei erhältliche Mehrspieler-Paket „Metal Gear Online“ noch gar nicht mitgerechnet!

Fazit: Metal Gear Solid 5 – The Phantom Pain

Im Spiel verschmelzen gelungenes Open-World-Spieldesign, smarte KI-Routinen, ein vielschichtiger Plot und kritische Seitenhiebe auf gesellschaftspolitische Themen zu einem großen Ganzen – eine Offenbarung für Schleich-Enthusiasten und Action-Spieler. Lediglich die fehlende deutsche Sprachausgabe, nicht immer optimal gesetzte Speicherpunkte und einige harmlose Logiklücken trüben das berauschende Sandbox-Gameplay. „The Phantom Pain“ ist wahrlich ein Pflichtprogramm für „Metal Gear“-Jünger und Action-Liebhaber!

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